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15. Februar 2012
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Erfolgsfaktor Logistik – gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit durch
moderne Logistikkonzepte
– Ein Beratungsprojekt aus der Praxis am Beispiel der Konsumgüterindustrie
–
Patrick Lindig, fablog consulting GmbH
Jede Branche weist Ihre eigenen Besonderheiten, Eigenheiten
und speziellen Merkmale auf. An die Macher dieser Unternehmen werden
dementsprechend besondere Anforderungen gestellt. Der Wettbewerbs- und
somit auch der Kostendruck auf der einen Seite sowie die stetigen Veränderungen
innerhalb einer Branche lassen das Thema Change Management immer mehr
zu einem unabdingbaren Thema werden.
Besonders in der Logistik kann diese Entwicklung beobachtet werden –
die Logistik als Querschnittsfunktion stellt somit mittlerweile einen
maßgeblichen Erfolgsfaktor dar. Die Entwicklung moderner und vor
allem individueller aber doch extrem flexibler Logistikkonzepte macht
oft den entscheidenden Unterschied gegenüber der Konkurrenz aus –
besonders in sehr stark umkämpften Industrien.
Die Konsumgüterindustrie z.B. ist eine schnelllebige Industrie. Ein
jährliches Wachstum von bis zu 25% sind keine Ausnahmen. Die Lebenszyklen
der Produkte werden kürzer und die Anzahl der Artikel nimmt permanent
zu, was gerade bei der Kommissionierung zu einer komplexen Angelegenheit
führt. Da ist es unabdingbar, die Logistik den neuen Anforderungen
anzupassen.
Unser Kunde, ein führendes Unternehmen im Handel
hat die Notwendigkeit erkannt und die fablog consulting beauftragt, ein
modernes Logistikkonzept zu entwickeln.
Ausgangslage
Auf Grund des jährlich steigenden Absatzes wurde
schnell erkannt, dass das existierende Logistikzentrum in spätestens
zwei Jahr kapazitiv nicht mehr ausreichen würde. Schon heute führte
die existierende Lösung zu starken Engpässen in Spitzenzeiten,
was darin resultierte, dass die „Stores“ zum Teil nicht mehr
zu der gewünschten Qualität beliefert werden können. Neben
der mangelnden Fläche sind auch die heutigen Prozesse und die angewandten
Logistikstrategien nicht mehr passend. So war auf Grund von organisatorischen
Mängeln (z.B. keine artikelreine Lagerung pro Palette, mangelhafter
Einsatz von IT, keine standardisierten Abläufe, zusammengelegte Wareneingangs-
und Warenausgangsabwicklung) die Fehlerquote beim kommissionieren relativ
hoch.
Es wurde somit beschlossen, ein neues Logistikzentrum
zu bauen. Dafür wurden die Schwachstellen des alten Lagers tiefgründig
analysiert und die Ergebnisse flossen in die Neuplanung / Reorganisation
mit ein. Auch sollte das neue Lager in der Lage sein, zukünftigen Bedarfsänderungen
sowie Entwicklungen sehr flexibel gegenüberzustehen.
Projektziele
- Zentralisierung / Konsolidierung der Standorte
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- Definition adäquater Lager- und Kommissionierstrategie
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- Integration der Lieferanten in das Logistikkonzept
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- Kosteneffizienz entlang der Supply Chain
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- Erhöhung der Prozesssicherheit
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- Prozessunterstützung durch angebrachte IT
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- Flexibilität für das zukünftige Wachstum
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Abbildung 1: Definition Projektziele |
Neben der eigentlichen Lagerplanung war es auch Ziel,
die Supply Chain zu betrachten und dabei die Hersteller mehr in den Prozess
zu integrieren. So sollte untersucht werden, in wiefern die Hersteller in
der Lage sind, bestimmte Prozessschritte zu übernehmen. Ziel dieser
Integration war es, neben den effizienteren eigenen Prozessen auch die Kosten
für die Hersteller zu reduzieren. Auch sollte nicht nur das existierende
Artikelspektrum im Lager, sondern auch das bestimmter Lieferanten, welche
heute direkt Filialen beliefern, übernommen werden.
Als ein oberstes Ziel im Rahmen dieses Projektes wurde die Entscheidung
für den richtigen Automatisierungsgrad angesehen, da dieser maßgeblich
für die Systemeffizienz, die Prozesskomplexität und Sicherheit
sowie die spätere Flexibilität verantwortlich ist. Anderer-seits
ist diese Entscheidung natürlich zum großen Teil mitverantwortlich
für die Höhe der gesamten Investitionssumme.
Bedarfsgerechte Logistikplanung
Da die Logistik als Querschnittsfunktion fungiert, wurden
unter der Leitung von fablog consulting Mitarbeitern aus den Bereichen
Lager- und Transportlogistik, Einkauf, IT sowie Architekten und Berater
als Projektteam zusammengefasst.
Im ersten Schritt wurde eine Analyse des
Ist Standes durchgeführt. Hier wurden auf der einen
Seite die Prozesse aufgenommen mit dem Ziel, Schwachstellen zu identifizieren.
Auf der anderen Seite wurden statische Artikel- und Bestandsdaten ausgewertet.
Eine weitere entscheidende Funktion nahm die Definition des dynamischen
Mengengerüstes ein, welches im Endeffekt den Einsatz von Equipment
und Mitarbeiter bestimmt (Anzahl LKW WE / WA, Auftrags- und Kommissionierstruktur,
Bewegungsdaten etc.)
Die
Kombination der Ergebnisse der Bewegungsdaten (ABC) und der Bestandsdaten
mit den Artikeldaten (Dimension / Gewicht / Sonderlagerungsvorschriften)
definierte für jeden einzelnen Artikel den erforderlichen Ladungsträger.
So konnte über die Zuweisung der Artikel zu den jeweiligen Ladungsträgern
eine flächenoptimale Lagerbereichsplanung erfolgen. Die überwiegende
Kartonware wurde somit in 3 prinzipielle Lagerbereiche eingeteilt: Palettenlager,
Blocklager (Übergrößen, Sackware) und Fachbodenlager (Kleinstmengen).
Auf Grund der sehr hohen Komplexität der Artikel- und Bestandsstruktur
(unterschiedliche Lagerbereiche und Produktgruppen, Zusammenlagerungsverbote)
sowie der sehr häufig wechselnden Artikel wurde sich schon im Vorfeld
gegen eine vollautomatisierte Lösung entschieden. Auch die vorherrschende
Lohnkostenstruktur und die Verfügbarkeit und Qualität von Service
und Wartung haben zu dieser Entscheidung beigetragen. Ein weiteres Ergebnis
der Analyse war die Optimierung des Bestandes, da einige so genannte Lagerleichen
(Artikel ohne jegliche Bewegung) zum Vorschein kamen.
Auf Basis der Ergebnisse dieser Phase konnten im zweiten
Projektschritt Lösungen erarbeitet werden, Hierbei wurde darauf Wert
gelegt, branchenspezifische Lösungen auf die besonderen Anforderungen
des Kunden anzupassen und diese verschiedenen Varianten letztendlich technisch-funktional
sowie wirtschaftlich zu bewerten. Diese so genannte Machbarkeitsstudie
diente dazu verschiedene mögliche Ansätze zu untersuchen und
sich für eine Vorzugsvariante zu entscheiden. Hier passierte es,
dass das Ergebnis eine Kombination von Komponenten der verschiedenen Lösungen
ist.
Hauptaugenmerk hier war neben der Lagerstrategie die
Kommissionierstrategie sowie das Thema Materialhandling. Darüber
definierte sich das Flächen- / und Gebäudekonzept. Mit diesen
Informationen ist man in der Lage, die zu erwartenden Logistikequipment
und Baukosten zu bewerten.
Besonders die Kommissionierung stellt eine zentrale Aufgabe in der Planung
eines Lagers dar. Um kosteneffizient zu arbeiten, musste hier individuell
die optimale Strategie identifiziert werden. Dies hängt unter anderem
von den Artikeln, den Ladungsträgern, dem Durchsatz zu Spitzenzeiten
und der Auftragsstruktur (Verhältnis Ganzpaletten, Kartons, Einzelteile)
ab. Es müssen Entscheidungen zur Bereitstellung, („Mann zu
Ware“, „Ware zu Mann“), zum Transport (Stapler, Handhubwagen,
Fördertechnik) zur Kommissionierform (einstufig, mehrstufig) und
zur Kommissionierorganisation (auftragsbezogen / artikelbezogen) getroffen
werden.
Auf Grund der vielen verschiedenen Lagerbereiche (verschiedene
Artikelgruppen, zwei Lagerebenen, Sonderlagerbereiche) wurde sich für
das so genannte Zone Picking entschieden. In dieser zweistufigen Kommissionierung
werden die Artikel in den jeweiligen Zonen auftragsbezogen kommissioniert
um sie später tourenrein zu konsolidieren.
- Bestandsreduzierung und somit reduzierter Flächenbedarf
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- Reduzierung des Ein- und Auslagerungen und der dazu
benötigten Ressourcen
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- Senkung der Investitionskosten und somit der Kapitalbindung
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- Zusammenfassung der Lieferantentransporte zu einem
gebündelten Strom in die Filialen
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- Reduzierung der eingehenden Lieferungen an den Filialen
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Abbildung 3: Cross
Docking Vorteile |
Cross Docking als Trend im Handel
Neben dem herkömmlichen
Kommissionieren wurde ein Teil der Artikel mittels Cross
Docking abgewickelt. Somit konnte in erster Linie der Bestand reduziert
werden. Im Handel ist diese Versorgungsstrategie mittlerweile ein sehr
beliebtes Mittel. Es ist aber in sehr großem Maße von der
Fähigkeit der Hersteller abhängig, da ein ständiger Informationsaustausch
Voraussetzung ist. Auch macht diese Beziehung nur bei festen Lieferanten
Sinn. Auch eignen sich nicht alle Artikel. So sollten z.B. A-Artikel auf
Grund von Aspekten der Versorgungssicherheit immer vorrätig sein.
Einmal umgesetzt, bietet diese Strategie eine Vielzahl von Vorteilen für
die Betreiber des Lagers, aber auch für die Hersteller:
Die Umsetzung wurde wie folgt geplant: Die Hersteller
liefern die georderten Artikel in das Distributionszentrum, wo sie zuerst
mit Hilfe einer Fördertechnik vom Wareneingangsbereich in den Warenausgangsbereich
transportiert werden. Im zweiten Schritt werden die Kartons tourenrein
sortiert und palettiert, um im Anschluss direkt mit den Artikeln aus der
Kommissionierung konsolidiert zu werden. Ziel ist es hier, in den nächsten
Jahren 25-30% der Artikel somit in Richtung Lieferanten zu verschieben.
Als
Ergebnis der Feinplanung wurden die Prozesse
im Detail geplant und dargestellt, alle technischen Systeme mit den nötigen
Spezifikationen in
Ausschreibungsunterlagen gebracht und alle notwendigen
baulichen Grundlagen für die Architekten definiert. Des Weiteren
wurde ein Umzugskonzept sowie ein Erweiterungskonzept für die Zukunft
erarbeitet.
Fazit
Das Ergebnis der Planungen ist ein Lager auf 2 Stockwerken,
welches keine Automatisierung vorsieht. Wegen der sehr schwankenden Verbrauchsvolumina
und einer nicht vorhersagbaren zukünftigen
Entwicklung in dieser Branche stellt Flexibilität die oberste Priorität
im Logistikkonzept dar. Cross Docking wird als Teil des modernen Konzeptes
mit implementiert. Deshalb gewinnen die Funktionsflächen mehr und
mehr an Bedeutung.
Die Prozesse werden durch eine effiziente Lagerverwaltung und Barcodescanner
unterstütz. Die Vereinheitlichung der Prozesse – besonders
der Kommissionierung – sowie klare Vorgaben bei der Lagerstrategie
dienen zur Effizienzsteigerung und besonders zur Reduktion der Fehlerquote.
Es wurde somit mittels optimierter und individuell auf
die Anforderungen angepasster Prozesse eine neu gestaltete Lagerstrategie
und Ablauforganisation entwickelt. Dadurch ist der Kunde in der Lage,
Standards einzuführen, die den täglichen operativen Ablauf stark
vereinfachen. Dies hilft dabei, die Effizienz zu steigern und den Aufwand
sowie die Logistikkosten entlang der gesamten Supply Chain zu reduzieren
– beim Hersteller, im Logistikzentrum und bei den Filialen.
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